V. ABSCHLUSS: EIN ESSAYIST IN VERSEN
(Exzerpt)

 

Marcelo Backes

 

These fragments I have shored against my ruins.

T. S. ELIOT

 

Auch wenn Heinrich Heine in seinem Leben verschiedene Gesinnungs-, Religions- und Meinungswandlungen erlebt hat, und selbst wenn viele sein journalistisches von seinem dichterischen Werk trennen, oder den frühen vom späten oder den revolutionären vom konservativen Heine unterscheiden, so ist sein Werk doch ein Ganzes, aus vielen, meist kleinen Teilen bestehend, die letztlich eine vollkommene Einheit bilden. Diese Einheit wird durch eine essayistische Stilhaltung bekundet, die von einer starken Ichbezogenheit geprägt ist, die Mut zum Geständnis zeigt und in einer humoristisch-freien Sprache ihren Ausdruck findet.

Heines Ichbezogenheit trat im Laufe seines Werkes immer stärker hervor. Schon sehr früh jedoch zeigte sie sich unerlässlich: „O, wie verachte ich* das Menschenpack, das unbeschnittene mitsamt dem beschnittenen.“ (HHB, 1, 28.11.1823, S. 90) Besonders aus seinen letzten Gedichten sticht dieses selbstbewusste, gar der Religion entgegengesetzte Ich heraus; wie beispielsweise im Gedicht „Disputation“ aus dem Romanzero, das ein Zeugnis seiner großen inneren Distanz zu jeder konfessionellen Form liefert:

 

Welcher Recht hat, weiß ich nicht –

Doch es will mich schier bedünken,

Daß der Rabbi und der Mönch,

Daß sie alle beide stinken. (B, 6/I, S. 172)

 

Auf diese Weise kommt Heines Ichbezogenheit, sein Humor und sein Mut zum Geständnis in all seinen Werken ans Licht. Im „Lyrischen Intermezzo“ sowie im Schicksal von Almansor und Zuleima oder auch in dem von Ratcliff und Maria, die alle den Tod erleiden, verarbeitet Heine den unglücklichen Ausgang seiner Liebe zu seiner Cousine Amalie. Poetisch gestaltet in Inhalt und Form, umfassen Almansor und Ratcliff sogar gewisse Ursprungsbezirke im Erleben des Juden Heine. Aber ebenso in den Werken, die weniger mit dem Judentum zu tun haben, sind diese zu verzeichnen. So sind Heines Reisebeschreibungen gewissermaßen die essayistischen Essenzen eigener Erfahrungen und Empfindungen. Die Neuen Gedichte sind voll von persönlichen Angriffen, von ebenso wilden wie satirischen, gegen Könige, Aristokraten, Bürokraten und sonstige Feinde der deutschen Freiheit. In Deutschland. Ein Wintermärchen ist die Person Heine kaum vom Ich-Erzähler zu unterscheiden, nicht anders als es im Essay der Fall sein sollte. Im Romanzero kommt Heines gewaltige, persönliche Anklage gegen Gott und die Welt zum Ausdruck. Die Memoiren und die Geständnisse beziehen sich auf eine Fülle des Ich, das mit erdrückendem Mut zum Geständnis dargestellt wird. Die Schrift Französische Zustände sowie auch die Lutetia –mithin Werke, die seine journalistische Prosa zusammenfassen– sind ganz und gar gemäß dem „Ich“ Heines, in dem für ihn typischen, essayistischen Humor geschrieben.

Obwohl Heine selbst der Meinung war, „ein Schriftsteller [dürfe] sich nicht seiner Subjektivität ganz überlassen“ (B, 3, S. 305),* hat er als Erster der deutschen Literatur gerade dies getan. Sein Ich stand wirklich über allem. Er selbst hinterlässt Spuren, die darauf hindeuten, dass man ihn in seinen Schriften nicht nur vernehmen kann, sondern dies auch soll. Es geht um Cervantes und um Don Quijote, der dem Dichter so Nahe steht: „In den Werken der Dichter muß man ihre Geschichte suchen, und hier findet man ihre geheimsten Bekenntnisse.“ (B, 4, S. 156)

Bei Heine fehlt es an jener Plastik, jener Besonnenheit, jener ruhigen und idyllischen Aufnahme des Absoluten, das er an Goethe so sehr verehrte. Während Goethe, so wie es Heine schildert, „mit seinem klaren Griechenauge […] nirgends die Dinge mit seiner Gemütsstimmung koloriert, und uns Land und Meere schildert in den wahren Umrissen und wahren Farben, womit sie Gott umkleidet“ (B, 2, S. 221), vollführt Heine selbst genau das Gegenteil. Dort wo Goethe noch naturtreu war, selbst einem Gott überlegen, da er beständig die Schöpfung in Händen hielt und dem Eckermann die grünen Federn eines Papageien verpasst hätte, sofern dies in seiner Macht stünde, wie Heine behauptet („Goethe hält ihr [der Natur] den Spiegel vor, oder, besser gesagt, er ist selbst der Spiegel der Natur. Die Natur wollte wissen, wie sie aussieht, und sie erschuf Goethe. Sogar die Gedanken, die Intentionen der Natur vermag er uns widerzuspiegeln“, B, 2, S. 367) ist Heine artifiziell, stellt sich ins Zentrum seiner eigenen Dichtung und kann die Natur nicht ohne das Gefühl der inneren Zerrissenheit betrachten und diese innere Zerrissenheit auch an die Natur anhaften.

Heine übertönt das Geschriebene mit seinen eigenen Empfindungen, färbt alles mit seinem überreizten Subjektivismus. Seine Misere, seine Erfahrungen als Mensch stehen sehr dicht und unmittelbar hinter seinen Versen. Gerade dies ist die Novität, die Besonderheit bei Heine. Max Brod beschreibt es mit den Worten: „weit wesentlicher [als die „Volksliedhaftigkeit“ Heines] ist die Neuheit, die Besonderheit und scharfindividuelle Umzirktheit seines Gefühls, das doch zugleich etwas Allgemeingültiges ausdrückt. Es war das Gefühl einer sehr einsamen, ja unrettbar an die Wand gepressten Seele.“[i] Brod verbindet auch Ichbezogenheit und Einsamkeitsaffekt bei Heine, mit dessen jüdischer Herkunft. Die „jüdische Situation“ soll den Einsamkeitsaffekt, „den die verschmähte Liebe hervorrief“ noch verschlimmert haben: „daher die grellen, deutlichen Farben, das Nahe des Erlebten knapp unter der Oberfläche der Verse“.[ii]

Als Karl Kraus Heine kritisierte und ihm einen Mangel an Respekt vor der Natur attestierte, weil er sich seiner Meinung nach zu konkret-humoristisch über einen Sonnenuntergang ausließ (er spricht von diesem Naturereignis, als von einem „alten Stück“), schien Kraus nicht bemerkt zu haben, dass die Zeiten der Romantik bei Heine lange vorbei waren, dass die Natur in den Hintergrund getreten war und dass das Dichtersubjekt fortan alles bestimmen sollte. Die Natur sollte ausschließlich nur noch im Innern des Dichters durch dessen Anschauung –und weil sie den Dichter „innerlich“ empört– Bestand haben. Heine drängte die Sonne über den Horizont hinaus, um sein eigenes Ich zum Strahlen zu bringen. Dass Heine aus solchen dichterischen Anmaßungen keinen Hehl machte, bezeugt etwa sein Gedicht „Seraphine“ aus dem Zyklus „Verschiedene“:

 

Mein Herz ist wie die Sonne

So flammend anzusehn,

Und in ein Meer von Liebe

Versinkt es groß und schön. (B, 4, S. 323)

 

Äußere und innere Natur sind bei Heine von gleichem Rang, da er beide für schlicht unentbehrlich hält. Schon früh in seiner Dichtung hatte Heine gegen einen Defätismus des Daseins, gegen das die Freiheit knebelnde Pendel des ewigen Werden und Vergehens, wie es seit den barock-mahnerischen Lamenti des memento mori in die Dichtung Einzug hielt, angekämpft. In der „Vorrede“ zum Buch der Lieder hat sich Heine mit der Sonne verglichen, indem er die Muse evoziert und daraufhin sagt, dass sie sicherlich auf seinem Kopf ein paar weiße Haare bemerkt habe, als sie letztes Mal seine Locken glättete; der Vergleich gipfelt in der Wiederholung zweier Verse von Ferdinand Raimund: „Und scheint die Sonne noch so schön, / Am ende muß sie untergehn.“ (B, 1, S. 13) Geradezu programmatisch heißt es hierzu im ersten Brief des Buches Über die französische Bühne: „Jeder in dieser Welt ist am Ende entbehrlich, ausgenommen etwa die Sonne und ich.“ (B, 3, S. 283)

Wie einen Untergang der Sonne muss Heine für sich selbst schmerzlich früh den Niedergang seines Körpers erfahren. Zeit seines Lebens hat ihm sein physischer Verfall als Sinnbild für die Dekadenz seiner Epoche gedient. In einem Nachlassgedicht des Lazaruszyklus verschluckt Heine sogar die Sonne, deren erhabene Emblematik ihm so zuwider wie ein Kratzen im Hals ist: „Der Hals ist mir trocken, als hätte ich verschluckt / Die untergehende Sonne“, schreibt Heine.*

Keinen Respekt gegenüber der Natur! Das scheint das Motto zu sein, mit dem Heine seinen einstigen Lehrmeister Hegel überwinden wollte. Immer wieder hat Heine dessen für ihn tragische Teleologie der Ausweglosigkeit besungen und sich der scheinbar universalen Logik dieses systematischen Antiutopismus widersetzt. Wie etwa im Gedicht „Im Hafen“ aus dem zweiten Zyklus der „Nordsee“:

 

Die glühende Sonne dort oben

Ist nur eine rote, betrunkene Nase,

Die Nase des Weltgeists;

Und um die rote Weltgeistnase

Dreht sich die ganze, betrunkene Welt. (B, 1, S. 211)**

 

Dieser Weltgeistsymbolik der Sonne setzt Heine seine Poesie entgegen, deren Symbol –und das mehrmals– der Mond ist. Ihm, seinem Begleiter, verdankt Heine seine Fähigkeit, Worte für seine Überzeugung zu finden; dem Mond der Poesie verdankt er letztlich die essayistische Freiheit seiner Sprache:

 

Der Mond ist mein Begleiter,

Er leuchtet mir freundlich vor; […]

 

Ich danke dir, alter Vertrauter,

Daß du meinen Weg erhellt;

Jetzt will ich dich entlassen,

Jetzt leuchte der übrigen Welt! (B, 1, S. 142)

 

Aus dieser Gleichsetzung seiner selbst mit der Sonne und mit dem Mond schöpft Heine seinen Mut. Selbst der Teufel ist ihm dann ein „alter Bekannter“. (B, 1, S. 125) Christus, in dem Heine lediglich einen „ebenfalls gequälten Gott“ (B, 2, S. 268) erblickt –schon im frühen Memoirenfragment Das Buch Le Grand–, wird ihm dann zum Verbündeten in seinem Freiheitskampf. Aber auch in solchen Vergleichen vermischt sich bei Heine beständig, gottgleiches Schöpfertum und narzisstische Dichteridentität:

 

Mir träumt’: ich bin der liebe Gott,

Und sitz im Himmel droben,

Und Englein sitzen um mich her.

Die meine Verse loben. (B, 1, S. 139)

 

In Versen wie: „Ja, Jung, ich bin der liebe Gott“ (B, 1, S. 140), oder “Groß ist das Meer und der Himmel, / Doch größer ist mein Herz“ (B, 2, S. 178) hat man den Eindruck, Heine wollte den Leser mit seinem Ego erschlagen, um ihn auf diese Weise von seinen essayistischen Potentialen zu überzeugen.

In den Reisebildern findet sich eine Stelle, der er sich zu seinem Empfinden über das Verhältnis seines Ich zu einer Natur, die ihn zähmt und zugleich erhebt, deutlich Stellung bezieht. Heine schreibt, dass es ihm besonders zu Mute wird, wenn er „allein in der Dämmerung am Strande wandle, – hinter mir flache Dünen, vor mir das wogende, unermeßliche Meer, über mir der Himmel wie eine riesige Kristallkuppel“, dann erscheine er sich selbst „ameisenklein“, dennoch dehne sich aber seine „Seele so weltenweit“. Weiterhin heißt es, dass die „hohe Einfachheit der Natur“, wie sie ihn umgibt, ihn zugleich „zähmt und erhebt“. Dann der entscheidende Satz: „Nie war mir ein Dom groß genug; meine Seele mit ihrem alten Titanengebet strebte immer höher als die gotischen Pfeiler, und wollte immer hinausbrechen durch das Dach.“ (B, 2, S. 225-6) Nichtsdestotrotz zeigt Heine auch die Fähigkeit zur Selbstironie, welche unter allen Formen des Humors die größte ist und dem montaigneschen Essay äußerst vertraut ist. So erzählt er etwa in den Memoiren eine Anekdote, nach der die Schwierigkeit der Aussprache seines Namens für einige Franzosen so groß gewesen sei, dass manche ihn „Henri Enn“ und welche sogar Monsieur „Un rien“ nannten. (B, 6/I, S. 585)

In der „Reise von München nach Genua“ merkt Heine, dass es sogar eine Übereinstimmung zwischen seinem Ich und den Jahreszeiten gab. Er schreibt nämlich: „Es war damals auch Winter in meiner Seele“, um eine Seite später zu sagen: „Da begann auch in mir ein neuer Frühling“. (B, 2, S. 325-6) Die ganze Natur wird also von Heine in den Hintergrund geschoben, während der Dichter in den Vordergrund des Gedichts gehoben wird. In der „Harzreise“ behauptet Heine zwar, dass er den Harz sah wie kaum einer vor ihm, aber das Entscheidende ist was er gleich danach sagt und den Dichter abermals ins Zentrum der Dichtung stellt: „Aber auch mich sah der Harz, wie mich nur wenige gesehen […]“ (B, 2, S. 137)

Wenn Kraus etwa den Fichtenbaum im Norden, der auf kahler Höhe steht und von einer Palme im Morgenland träumt, so kritisiert:

 

Ein Fichtenbaum steht einsam

Im Norden auf kahler Höh,

Ihn schläfert; mit weißer Decke

Umhüllen ihn Eis und Schnee.

 

Er träumt von einer Palme,

Die, fern im Morgenland,

Einsam und schweigend trauert

Auf brennender Felsenwand. (B, 1, S. 88)

 

so scheint er nicht verstanden zu haben, dass dies so ist, weil der Fichtenbaum Heine selbst repräsentiert und weil der Baum dabei allegorisch fühlt und empfindet und leidet, was der Dichter denkt. Bei Goethe entsprachen die Rosen und Lilien noch einer sentimentalen Wirklichkeit von Rose und Lilie:

 

Ros’ und Lilie, morgenthaulich

Blüht im Garten meiner Nähe;

Hinten an, bebuscht und traulich,

Steigt der Felsen in die Höhe…[iii]

 

Bei Heine sind die Naturerscheinungen vermenschlicht, so wie auch die Götter vermenschlicht erscheinen.[iv] Heine war in dieser Hinsicht einer der ersten Dichter, die in einer überaus modernen Weise darauf aufmerksam machten, dass im „Naturgegebenen“ etwas menschlich „Dazugegebenes“ liegt. Die Lotosblume wurde bei ihm zu einer bloßen Redefigur. Sie ermöglichte die Rede über die Geliebte, und im Mond verschmelzen Dichter und lyrisches Ich zu einer Persona:

 

Sie sei eine Lotusblume,

Bildet die Liebste sich ein;

Doch er, der blasse Geselle,

Vermeint der Mond zu sein.

 

Die Lotusblume erschließt

Ihr Kelchlein im Mondenlicht,

Doch statt des befruchtenden Lebens

Empfängt sie nur ein Gedicht. (B, 6/I, S. 343)

 

In diesem Nachlassgedicht verhöhnt Heine sogar die eigene Insuffizienz, seine männliche Potenz als Mann, wobei die Größe des Dichtertums nicht entbehrt wird. Auch in diesem Gedicht entspricht der anthropomorphe Mond, der „krank wie ein Hund“ ist, Heines eigenem Leiden. Dies bestätigt ein weiteres Mal die bereits erwähnte anthropomorphe Natureinstellung Heines: „Die umgebende Natur wirkt auf den Menschen – warum nicht auch der Mensch auf die Natur, die ihn umgibt?“. Und Kraus hat Heine in dieser Leistung schlichtweg verkannt!

In seinen Theorien der Dichtung über die Beziehung zur Natur stellt Kraus fest, dass der wahre Dichter das Gedicht „als Offenbarung des im Anschauen der Natur versunkenen Dichters“ sieht und nicht der „im Anschauen des Dichters versunkenen Natur“. (Kraus, S. 300) Und der Kritiker hatte Recht, dass er Goethe als einen der ersten nennt, und Heine als einen der zweiten. Jedoch liegt gerade in selbiger Erkenntnis sowohl die erkenntnistheoretische als auch die aufklärerische Leistung des Dichters Heine. Durch Heine ist die alte Naturbetrachtung als Klischee entlarvt worden; daher verzichtete er auf seine Realität bzw. denunzierte sie durch ihre Irrealität. Es ist nicht mehr die Natur, die auf den Dichter wirkt, es ist der Dichter –der Mittelpunkt der Dichtung–, der auf die Natur wirkt. Und dies ist nicht einmal metaphorisch gemeint. Schon in einer „Romanze“ des Buchs der Lieder hieß es dazu:

 

Lustig rauschen dort die Blätter,

Lustger Vogelsang erschallt.

 

Doch der Sang verstummet balde,

Traurig rauschet Baum und Blatt,

Wenn der Traurige dem Walde

Langsam sich genähert hat. (B, 1, S. 43)

 

Kraus’ Gerede von Gedichten, die schon vor den Dichtern in der Natur gewesen seien, seine Predigt, der Künstler hole sein Werk als ein Fertiges vom Himmel herunter, sein Diskurs, der Gedanke sei bereits in der Welt, man habe ihn nur noch nicht, ist reiner Platonismus, ein Platonismus der bei Heine längst der Vergangenheit angehört; er gilt ihm als mystisch, naiv-romantisch und rückschrittlich. Bei Heine ist das essayistische Subjekt, also das Ich, das alles Bestimmende; durch es und in ihm wird alles erreicht, bewegt, geschaffen und zur Kunst gebracht, sogar die in ihm versunkene Natur. Heines Ich ist daher eben nicht das empfindsame Ich der Romantik. Dieses hat, im Gegenteil zu dem, was viele Kritiker von sich geben, mit Heines aktivem Ich wenig zu tun. Im Gedicht „Rhampsenit“ machte sich Heine sogar über den Hauptrepräsentanten dieser subjektiven, passiven Romantik lustig, indem er von einem „vierfüßigen Werther“, der nur „Dampfnudeln und Ossian“ liebt, den die „leckersten Braten“ anwidern, spricht. (B, 6/I, S. 17) [UND SO WEITER…]

 



* Von mir hervorgehoben, so wie im weiteren Verlauf des Textes auch.

* Im selben Sinne schreibt Heine auch in einem Brief an Ludwig Robert: „Es liegt mir viel, sehr viel an der Anerkennung der Masse, und doch giebt’s niemand, der wie ich den Volksbeyfall verachtet und seine Persönlichkeit vor den Aeußerungen desselben verbirgt.“ HHB, 1, 27.11.1823. S. 121) Und an Immermann schreibt Heine: „Und wie wenig ist oft das äußere Gerüste unserer Geschichte mit unserer wirklichen, inneren Geschichte zusammenpassend! Bey mir wenigstens paßte es nie.“ (HHB, 1, 10.6.1823, S. 85) Kurz zuvor hatte Heine jedoch geschrieben, dass man ein Gedicht „entjungfert“, dass man seinen „geheimnisvollen Schleier“ zerreißen müssen, wenn man die Geschichte des Dichters darin finden wolle…

* DHA, 3/1, S. 351. Eine Variation dieses Gedichtes gab es schon in der Tragödie Almansor, was ja auch für die Nähe der Figur zu Heine spricht und die Einheit seiner Werke wieder bestätigt:

Beklommen ist mein Herz, als habe sich

Der untergehnden Sonne Flamenball

Auf diese arme, schwache Brust gewälzt. (B, 1, S. 277-8)

** Im Gedicht „Der Schiffbrüchige“ scheltet Heine sogar die Sonne:

Groß und gewaltig, strahlt ein Auge,

Wie eine schwarze Sonne.

 

O, du schwarze Sonne, wie oft,

Entzückend oft, trank ich aus dir

Die wilden Begeistrungsflammen,

Und stand und taumelte, feuerberauscht –“. (B, 1, S. 200)



[i] BROD, Max: Heinrich Heine. Berlin – Grünewald 1935 (Erstauflage Amsterdam, 1934), S. 130.

[ii] Ebenda, S. 131.

[iii] GOETHE, Wolfgang: Werke. Band 6, Weimar 1887, S. 20.

[iv] Dolf Sternberger zeigte es genau im Buch Heinrich Heine und die Abschaffung der Sünde. Düsseldorf 1972.